Leitfaden

Wegzugssteuer (§ 6 AStG): wann die Wegzugsbesteuerung greift und was sie auslöst

Wer mindestens 1 % an einer Kapitalgesellschaft hält und Deutschland verlässt, wird so besteuert, als hätte er die Anteile am Tag des Wegzugs verkauft, ohne dass Geld geflossen ist.

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Inhalt6 Abschnitte
  1. 01Was die Wegzugsbesteuerung überhaupt ist
  2. 02Wer betroffen ist, und wer nicht
  3. 03Was besteuert wird
  4. 04Ratenzahlung: sieben Jahre, in der Regel gegen Sicherheit
  5. 05Rückkehr innerhalb von sieben Jahren
  6. 06Warum die Reihenfolge über die Höhe entscheidet

Was die Wegzugsbesteuerung überhaupt ist

Der Wegzug wird einer Veräußerung gleichgestellt: Es wird ein Gewinn besteuert, den niemand vereinnahmt hat.

§ 6 des Außensteuergesetzes stellt bestimmte Vorgänge dem Verkauf von Anteilen zum gemeinen Wert gleich. Es fließt kein Geld, die Beteiligung bleibt bestehen, trotzdem entsteht eine Steuer auf die Differenz zwischen Anschaffungskosten und heutigem Wert.

Dem Verkauf gleichgestellt sind nach dem Gesetzestext drei Vorgänge:

  • Die Beendigung der unbeschränkten Steuerpflicht durch Aufgabe von Wohnsitz oder gewöhnlichem Aufenthalt
  • Die unentgeltliche Übertragung der Anteile auf eine Person, die nicht unbeschränkt steuerpflichtig ist, also etwa eine Schenkung an ein im Ausland lebendes Kind
  • Der Ausschluss oder die Beschränkung des deutschen Besteuerungsrechts an dem Gewinn aus der Veräußerung

Der dritte Punkt wird regelmäßig übersehen. Er greift auch ohne Umzug, etwa wenn sich durch eine Umstrukturierung oder ein Abkommen das Besteuerungsrecht verschiebt.

Wer betroffen ist, und wer nicht

Betroffen sind Beteiligungen ab 1 %; wer nur breit gestreute Aktien hält, fällt nicht unter § 6 AStG. Für große Fondspositionen gilt seit 2025 § 19 Abs. 3 InvStG.

Die Norm knüpft an Anteile im Sinne des § 17 EStG an. Dort ist die Schwelle klar: Erfasst ist, wer innerhalb der letzten fünf Jahre unmittelbar oder mittelbar zu mindestens 1 Prozent am Kapital einer Kapitalgesellschaft beteiligt war. Anteile in diesem Sinne sind unter anderem GmbH-Anteile, Aktien und Genussscheine.

Dazu kommt eine persönliche Voraussetzung: Erfasst sind natürliche Personen, die innerhalb der letzten zwölf Jahre vor dem Wegzug insgesamt mindestens sieben Jahre unbeschränkt steuerpflichtig waren. Wer kürzer in Deutschland gelebt hat, fällt nicht darunter. Bei unentgeltlich erworbenen Anteilen werden die Zeiten der Rechtsvorgänger mitgerechnet.

Was besteuert wird

Bemessungsgrundlage ist der gemeine Wert der Anteile am Tag des Wegzugs abzüglich der Anschaffungskosten.

Die Anteile gelten als zum gemeinen Wert veräußert. Der Unterschied zu den Anschaffungskosten ist der fiktive Veräußerungsgewinn. Bei einer selbst gegründeten GmbH mit 25.000 Euro Stammkapital und einem heutigen Unternehmenswert im Millionenbereich ist der Abstand entsprechend groß, und die Steuer fällt auf einen Betrag an, der nie auf einem Konto war.

Wie der gemeine Wert zu ermitteln ist, ist der eigentliche Streitpunkt jedes Verfahrens. Er hängt an Bewertungsmethode, Ertragslage und Vergleichsdaten, und genau daran entscheidet sich die Höhe.

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Ratenzahlung: sieben Jahre, in der Regel gegen Sicherheit

Die Steuer kann auf Antrag in sieben gleichen Jahresraten gezahlt werden, zinslos, aber üblicherweise nur gegen Sicherheitsleistung.

Nach § 6 Abs. 4 AStG kann die festgesetzte Steuer auf Antrag in sieben gleichen Jahresraten entrichtet werden. Dem Antrag ist in der Regel nur gegen Sicherheitsleistung stattzugeben. Die erste Rate ist innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe des Steuerbescheids fällig, die weiteren jeweils am 31. Juli der Folgejahre. Verzinst werden die Raten nicht.

Die noch offene Steuer wird innerhalb eines Monats fällig, wenn einer dieser Fälle eintritt:

  • Eine Jahresrate wird nicht fristgerecht gezahlt
  • Die Mitwirkungspflichten gegenüber dem Finanzamt werden verletzt
  • Der Steuerpflichtige meldet Insolvenz an
  • Die Anteile werden veräußert oder übertragen
  • Ausschüttungen oder Einlagenrückgewähr überschreiten insgesamt ein Viertel des Werts, der der Besteuerung zugrunde lag

Der letzte Punkt trifft in der Praxis am häufigsten: Wer nach dem Wegzug größere Beträge aus der Gesellschaft entnimmt, zieht damit die gesamte Reststeuer in die Fälligkeit.

Rückkehr innerhalb von sieben Jahren

Kehrt jemand innerhalb von sieben Jahren zurück, entfällt der Steueranspruch rückwirkend, unter drei Bedingungen.

Beruht der Wegzug auf einer nur vorübergehenden Abwesenheit und wird die Person innerhalb von sieben Jahren wieder unbeschränkt steuerpflichtig, entfällt der Anspruch. Voraussetzung ist, dass die Anteile in der Zwischenzeit weder veräußert noch übertragen noch in ein Betriebsvermögen eingelegt wurden, dass Ausschüttungen und Einlagenrückgewähr zusammen nicht mehr als ein Viertel des maßgeblichen Werts ausmachen und dass das deutsche Besteuerungsrecht mindestens im ursprünglichen Umfang wieder entsteht.

Die Frist kann das Finanzamt auf Antrag um höchstens fünf weitere Jahre verlängern, wenn die Rückkehrabsicht unverändert fortbesteht. Zusammen sind das bis zu zwölf Jahre.

FristenachseWas wann gilt, vom zwölften Jahr davor bis zwölf Jahre danach.

0Wegzugstag

4 Regeln gelten

Schematische Achse in Jahren um den Wegzugstag. Wann der Bescheid kommt, hängt am Verfahren, gezeichnet ist er ein Jahr nach dem Wegzug. Die Achse ordnet ein, sie ersetzt keine Beratung.

Warum die Reihenfolge über die Höhe entscheidet

Die Wegzugssteuer bemisst sich am Wert zum Zeitpunkt des Wegzugs, jedes Jahr Wachstum davor erhöht sie.

Die Norm bestraft nicht den Wegzug, sondern den späten Wegzug. Wer eine Struktur aufbaut, während er noch unbeschränkt steuerpflichtig ist, lässt den Wert in Deutschland entstehen, und trägt ihn beim Wegzug als Bemessungsgrundlage.

Deshalb gehört die Frage nach dem Wegzug an den Anfang jeder Strukturüberlegung und nicht ans Ende. Wer sie erst stellt, wenn die Gesellschaft etwas wert ist, hat den teuersten aller Zeitpunkte gewählt.

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Häufige Fragen

Ab welcher Beteiligung greift die Wegzugsbesteuerung?

Ab 1 Prozent am Kapital einer Kapitalgesellschaft, wenn diese Beteiligung innerhalb der letzten fünf Jahre bestand (§ 17 Abs. 1 EStG). Darunter greift § 6 AStG nicht. Für Investmentfonds gilt seit 2025 eine eigene Regel mit eigenen Schwellen in § 19 Abs. 3 InvStG.

Muss ich sieben Jahre in Deutschland gelebt haben?

Erfasst sind natürliche Personen, die innerhalb der letzten zwölf Jahre insgesamt mindestens sieben Jahre unbeschränkt steuerpflichtig waren. Bei unentgeltlich erworbenen Anteilen zählen die Zeiten der Rechtsvorgänger mit.

Kann ich die Steuer stunden lassen?

Auf Antrag in sieben gleichen Jahresraten, zinslos, in der Regel nur gegen Sicherheitsleistung. Erste Rate einen Monat nach Bekanntgabe des Bescheids, danach jeweils am 31. Juli.

Was passiert, wenn ich zurückkomme?

Bei Rückkehr innerhalb von sieben Jahren entfällt der Steueranspruch, wenn die Anteile unverändert gehalten wurden, Ausschüttungen ein Viertel des Werts nicht überschritten haben und das deutsche Besteuerungsrecht wieder besteht. Die Frist ist auf Antrag um bis zu fünf Jahre verlängerbar.

Gilt die Wegzugsbesteuerung auch ohne Umzug?

Ja. Auch die unentgeltliche Übertragung auf eine nicht unbeschränkt steuerpflichtige Person und der Ausschluss oder die Beschränkung des deutschen Besteuerungsrechts lösen sie aus.

Redaktion THE BOOSTJede Aussage trägt ihre Quelle im Text, redaktionell geprüft im August 2026. Keine Rechts-, Steuer- oder Anlageberatung. Was im Einzelfall gilt, prüft ein Zugelassener.Wie wir prüfen →

Dieser Leitfaden ordnet ein und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung. Anforderungen, Grenzen und Fristen ändern sich; maßgeblich ist der Stand zum Zeitpunkt deiner Entscheidung.

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